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One Health, One Future: Für eine
gesunde Zukunft

Ein unscheinbares Vogelpräparat in unserer naturkundlichen Sammlung bewahrt mehr, als man vermutet. In seinem Gewebe können Erreger überdauern, die heute noch Erkrankungen verursachen. Dazu gehören Influenzaviren, Auslöser der Grippe. Verändern sie sich und springen auf Menschen über, kann aus einer einzelnen Infektion eine Pandemie entstehen.

Solche von Tieren auf den Menschen übertragenen Krankheiten nennt die Wissenschaft Zoonosen. Sie sind kein neues Phänomen: Seit Menschen mit Tieren leben, sie jagen oder halten, begleiten Zoonosen unsere Menschheitsgeschichte. Neu sind jedoch Tempo und Ausmaß, mit denen sie sich ausbreiten können. Die zunehmende Nutzung natürlicher Lebensräume, globaler Handel sowie Reisen und Warenströme bringen Wildtiere, Nutztiere und Menschen immer näher zusammen. Influenzaviren finden dabei ideale Bedingungen: Wildvögel tragen sie über weite Strecken, in großen Geflügelbeständen können sie sich stark vermehren und verändern. Wo Menschen in engem Kontakt mit Geflügel stehen – beim Versorgen, Schlachten oder Verarbeiten der Tiere – kann ein Virus den Sprung auf den Menschen schaffen. Pandemien entstehen nicht zufällig. Sie entwickeln sich im Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt – oft lange bevor sie bemerkt werden. Diese Zusammenhänge zu verstehen, ist ein zentraler Baustein der Vorsorge. Das LIB verbindet dazu die Erforschung der biologischen Vielfalt mit Fragen der globalen Gesundheit. Unter dem Leitgedanken „One Health, One Future“ wird deutlich: Eine pandemieresiliente Zukunft wächst aus dem Wissen über die Natur.

Einfach gesprochen:
Pandemie

Pandemie bedeutet, dass sich eine Infektionskrankheit weltweit ausbreitet. Sie kann entstehen, wenn Erreger neue Tierarten erreichen, sich verändern und anschließend von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Veränderungen von Lebensräumen oder enger Kontakt mit Tieren können das begünstigen.

Zusammen vorsorgen:
Das Leibniz-Lab Pandemic Preparedness

Pandemieprävention ist eine interdisziplinäre Aufgabe. Sie braucht das Zusammenspiel von Virologie, Infektiologie, Medizin, Ökologie, Evolutions- und Biodiversitätsforschung sowie Sozial- und Umweltwissenschaften. Genau hier setzt das Leibniz-Lab Pandemic Preparedness an. Als interdisziplinärer Think-Tank mit starkem Umsetzungsanspruch vereint es 41 Leibniz-Institute mit dem Ziel, Risiken früh zu erkennen und Pandemien möglichst zu verhindern.
Der Leitgedanke „One Health, One Future“ prägt die Arbeit des Labs. Er steht für eine ganzheitliche Sicht auf Gesundheit – als vernetztes System aus Mensch, Tier und Umwelt. Statt erst zu reagieren, wenn sich Krankheitserreger bereits ausbreiten, rückt die Vorsorge in den Mittelpunkt.
Das LIB bringt in dieses Netzwerk eine besondere Perspektive ein. Biologische Sammlungen bewahren nicht nur Arten, sondern auch Spuren vergangener Infektionen. Unter bestimmten Bedingungen können in historischen Präparaten Fragmente des genetischen Materials von Krankheitserregern erhalten bleiben – selbst bei empfindlichen RNA-Viren wie Influenza. Moderne molekulargenetische Methoden ermöglichen es, solche Fragmente zu analysieren und mit aktuellen Virusvarianten zu vergleichen. So lassen sich langfristige Veränderungen nachvollziehen, etwa wie sich Influenzaviren über Jahrzehnte an neue Wirte angepasst haben.
Für das Leibniz-Lab Pandemic Preparedness untersucht Dr. Madlen Stange, Leibniz-Juniorforschungsgruppenleiterin am LIB, aus genomischer und ökologischer Perspektive, wie genetische Vielfalt, ökologische Bedingungen und evolutionäre Prozesse das Zusammenspiel von Wirten und Krankheitserregern prägen. Diese Forschung hilft zu verstehen, welche Rolle Biodiversität für Infektionsrisiken spielt: Eine hohe Biodiversität kann zum Schutz vor Infektionskrankheiten beitragen, weil sie genetische Vielfalt erhält, Puffer durch spezialisierte Wirte schafft und in intakten Ökosystemen eine größere räumliche Distanz zwischen Menschen und potenziellen Krankheitsträgern wahrt.
Sammlungen werden damit zu einem Archiv, das hilft, heutige Risiken im Licht der Vergangenheit besser zu verstehen: Mit über 16 Millionen tierischen Objekten – ergänzt durch aktive molekulare Biodiversitätsforschung – eröffnen die Sammlungen am LIB Einblicke in vergangene Ökosystemzustände sowie in die Interaktionen und Koevolution von Tieren und ihren Pathogenen. „Auf dieser Grundlage lassen sich Entwicklungen über lange Zeiträume nachvollziehen”, erklärt Madlen Stange und betont: „Diese Art der Forschung eignet sich besonders, um aus vergangenen Geschehnissen zu lernen und Muster für die Zukunft zu erkennen.“
Langfristige genetische Zeitreihen zeigen, wie sich Krankheitserreger und ihre Wirte gemeinsam verändern. Historische genetische Entwicklungen von Infektionskrankheiten können rekonstruiert, genetische Anpassungen identifiziert und evolutionäre Veränderungen im Wirt verstanden werden.
So schließt sich der Kreis zum Vogelpräparat aus der Sammlung: Influenzaviren, die heute noch in Wildvögeln zirkulieren, hinterlassen dort ihre Spuren. Sammlungen helfen, diese Veränderungen zu verstehen – lange bevor sie für den Menschen sichtbar werden. Pandemieprävention beginnt nicht erst im Krankheitsfall. Sie wächst aus Forschung, aus Sammlungen und aus dem gemeinsamen Blick auf eine Gesundheit, die Mensch, Tier und Umwelt verbindet.

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